Thaizeit auf der Reise:

Kreuzfahrt durch Laos auf dem Mekong

Thaizeit auf der Reise durch ein Land, das dem Fortschritt der Moderne noch in weiter Ferne gegenübersteht. Tauchen Sie ein in eine Welt aus Stille und Genügsamkeit, auf einer faszinierenden Fahrt über den Mekong!


Die wohl bequemste Art der Annäherung an das lange Zeit vergessene Land ist eine Fahrt mit dem Schiff auf dem Mekong. Zehn Tage und rund 700 Kilometer liegen zwischen Sop Ruak, einem kleinen Nest im Norden von Thailand und Vientiane, der Hauptstadt von Laos. Dieser Flussabschnitt gilt zugleich auch als der landschaftlich schönste Teil des Mekong, der in den Gletschern Tibets entmündet und bis zum Südchinesischen Meer fast 5.000 Kilometer durch Südostasien zurücklegt. An vielen Stellen ist er auch der einzige Verkehrsweg.
Wer eine Reise flussabwärts bucht, besteigt das Schiff im thailändischen Chiang Saen am legendären Goldenen Dreieck, der Region, wo Thailand, Laos und Burma aneinander grenzen. Seine Berühmtheit verdankt das „Goldene Dreieck“ den früher hier herrschenden Drogenbaronen. Ein Besuch der „Hall of Opium“ zeigt, wie Schlafmohn angebaut, zu Drogen verarbeitet und geschmuggelt wurde. Das vom thailändischen Königshaus gestiftete Museum ist Teil eines ehrgeizigen Projektes, das die Abhängigkeit der Menschen im nördlichsten Zipfel von Thailand vom Schlafmohnanbau beenden und neue Erwerbsmöglichkeiten eröffnen soll.

AUSGANGSPUNKT: THAILAND


„Herzlich willkommen an Bord der Mekong Sun“, so begrüßt Schiffsmanager Mr. Oth die Gäste überraschend auf Deutsch. Erlernt hat er die Sprache in den achtziger Jahren, als das sozialistische Laos ausgewählte Kader zum Studium in die DDR delegierte. Zurück in seiner Heimat fand sich kein passender Job für den diplomierten Fernmeldeingenieur. Oth machte aus der Not eine Tugend und führte Touristen durch seine Heimat, die sich langsam ausländischen Besuchern öffnete. „Irgendwann kam mir dann auch die Idee von einem schwimmenden Hotel“, erinnert sich der heute 45-Jährige. „Wir mussten viel experimentieren und ausprobieren, schließlich gab es keine Vorbilder“. Und weil auch in ganz Laos keine Werft existiert, haben er und seine Männer das Schiff auf einer Sandbank zusammengezimmert. Entstanden ist ein charmantes Schmuckstück aus Mahagoni und Teak, das mit seinen 14 Kabinen Platz für gerademal 28 Gäste bietet. Die Zimmer sind geräumig, klimatisiert und haben eine Dusche. Weiters lädt ein Oberdeck mit bequemen Liegestühlen zum Faulenzen ein.

DAS URSPRÜNGLICHE LAOS

Am ersten Tag der Reise zeigt sich der Mekong noch schmal und friedlich. Der Dschungel reicht bis an die Ufer heran, und von Zeit zu Zeit sind auch einfache Hütten der in kleinen Dörfern lebenden Bauern zu sehen. Manchmal tauchen Elefanten auf – sie werden als Arbeitstiere eingesetzt und bugsieren schwere Teakholzstämme ans Ufer. Nach wie vor werden Raubbau an der Natur betrieben und ganze Hügel abgeholzt, da Teak viel Geld bringt. Später passieren wir eine Badestelle - kleine Kinder plantschen dort, während die Mütter im Flusswasser Wäsche, Geschirr oder ihre Haare waschen. Immer wieder wird das Ufer auch von kleinen Wasserarmen zerschnitten, über die wacklige Stege führen. Straßen und Autos gibt es kaum, Hauptverkehrsweg ist der Fluss.

PLANUNG IST ESSENTIELL

Rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit sucht der Kapitän einen sicheren Ankerplatz an einer Sandbank. „Der Mekong ist nicht einfach zu befahren“, sagt Kapitän Khampet. Schon seit 1986 ist er auf der „Mutter aller Wasser“, wie der Mekong auch genannt wird, unterwegs. Auf jede Reise bereitet er sich gründlich vor, und gemäß eines alten Rituals dekoriert er einen kleinen Strauß Plastikblumen und Klebereis-Klümpchen auf dem Burg. Damit sollen die bösen Flussgeister besänftigt werden. „Die sind gefährlich, deshalb opfere ich, um das Glück auf meiner Seite zu haben“, erzählt er weiter. In der Tat ist bei jeder Reise auch etwas Glück notwendig, wenn es zum Beispiel darum geht, mächtigen, im Wasser schwimmenden Holzstämmen auszuweichen. Gleich zweimal müssen die Matrosen auf unserer Reise ins braune Flusswasser steigen, um die von Treibholz beschädigte Schiffsschraube zu reparieren. Das Schwierigste aber sind die extrem unterschiedlichen Wasserstände. „Der Pegel kann übers Jahr bis zu zwölf Meter schwanken. In der Trockenzeit gibt es an vielen Stellen nur eine ganz schmale Fahrrinne, in der Regenzeit gilt es gefährliche Stromschnellen zu meistern und vom hohen Wasserstand verdeckte Felsklippen zu umschiffen“, berichtet Khampet weiter.

DAS PROGRAMM GEHT WEITER

Kaum hat der Kapitän am Abend eine geeignete Sandbank angesteuert, springen Crewmitglieder von Bord, rammen Stangen in den Sand und vertäuen das Schiff daran. Dann ist es auch bald Zeit für das Abendessen – serviert wird es in ungezwungener Atmosphäre auf dem Oberdeck. Was Chefkoch Ti und seine Helfer auf den Tisch bringen kann sich sehen lassen: Etwa Hühnersuppe mit Ingwer oder Klebereis mit saurem Gemüse und einer würzigen Tjäo-Sauce. Jeden Tag lässt er sich etwas Neues einfallen, verarbeitet dabei auch frische Produkte, die er von den Bauern aus am Fluss gelegenen Dörfern kauft. Dazu gibt’s gut gekühltes Lao-Bier, eine wunderbare Erfrischung in den warmen Tropennächten.

MITTELALTERLICHES DORF

Am nächsten Morgen steht der Besuch eines laotischen Dorfes auf dem Programm. In Pak Tha scheint die Zeit im Mittelalter stehen geblieben zu sein. Aus den einfachen Bambushütten kommen halbnackte Kinder. Scheu und neugierig bestaunen sie die Touristen und riesig ist die Freude, wenn sie ihr Konterfei in den Displays der Kameras betrachten. „Auf jeder Reise haben wir Schulmaterialien dabei, die von Spendengeldern der vorherigen Reise gekauft wurden“, sagt Mr. Oth. Keiner der Gäste, der nicht seinen Geldbeutel öffnet – hier zählt jeder Dollar doppelt und er kommt direkt den Kindern zugute. Auch einige Kilometer weiter flussabwärts werden die Gäste herzlich empfangen. Die Dorfältesten von Thanoon haben sich unter einem Bambusdach versammelt, ein Zeremonienmeister murmelt Gebete und Glückwünsche. Einheimische und Touristen berühren das Tablett mit kunstvoll aufgetürmten Opfergaben, und schließlich bindet jeder jedem einen weißen Bindfaden ums Gelenk. „Diese Baci-Zeremonie entstammt einem alten laotischen Volksglauben“, erklärt Mr. Oth. „Der besagt, dass die guten Geister angebunden werden müssen, damit sie nicht aus dem Körper fliehen. Das funktioniert aber nur, wenn ihr die Bänder nicht entfernt und sie so lange tragt, bis sie von selbst abfallen.“ Wer ganz sicher gehen will mit seinem Glück, der investiert am nächsten Tag noch einen Dollar. Dafür wird ein Glücksvögelchen aus seinem Korb in die Freiheit entlassen, auch wenn es heißt, dass sie darauf trainiert sind, später zu ihren Verkäuferinnen zurückzufliegen. „Pak Ou“, ruft der Kapitän und deutet auf einen massiven Felsvorsprung. Hinter einem unscheinbaren Eingang versteckt sich eines der wichtigsten buddhistischen Heiligtümer. „1560 begannen die ersten Gläubigen, am laotischen Neujahrsfest hier Buddha-Statuen zu spenden. Inzwischen sind es Hunderte, ja Tausende geworden, die goldfarben im Dämmerlicht schimmern“, erzählt er weiter und beklagt gleichzeitig, dass von Ausländern immer wieder Figuren gestohlen werden.

KURS AUF DIE HAUPTSTADT

Von Pak Ou sind es nur noch 30 Kilometer bis nach Luang Prabang, der alten Königsstadt und religiösem Zentrum des „Reichs der einen Million Elefanten“, wie Laos früher hieß. Zwar versuchte die sozialistische Regierung eine Zeitlang, den Buddhismus einzuschränken, doch heute widmen sich hier wieder über 500 Mönche ihrem Glauben. Schon früh am Morgen sind sie, in safrangelbe und orangefarbene Tücher gehüllt, mit ihren Bettelschalen unterwegs. Frauen kommen aus den Häusern, füllen Reis und andere Speisen in die Gefäße und bedanken sich, dass ihre Gabe angenommen wird. Jeder Laote sollte einmal in seinem Leben eine Zeitlang als Mönch in einem buddhistischen Kloster leben, erzählt ein junger Mönch. Die Novizen in den Klöstern unterhalten sich gern mit den Touristen, um ihre Englischkenntnisse zu trainieren. Vanpenh zum Beispiel kommt aus einem entlegenen Bergdorf, seine Familie ist arm und das Mönchtum seine einzige Chance, zu Bildung zu kommen. Neben Englisch studiert er im Kloster die Gebote Buddhas und erlernt Grundlagen der Mathematik. Irgendwann im nächsten Jahr, sagt er, will er wieder zurück ins weltliche Leben. Wie lange der Charme und die stille Schönheit von Luang Prabang mit seinen 35 Tempeln und 600 denkmalgeschützten Häusern erhalten bleiben, ist fraglich. Immer mehr Touristen strömen in den zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Ort. Im Vergleich dazu führt die Hauptstadt Vientiane, rund 300 Kilometer flussabwärts gelegen und Endpunkt der Schiffsreise, eher ein touristisches Schattendasein. Ein kurzer Stadtbummel genügt, um die wenigen Sehenswürdigkeiten wie das Nationalheiligtum That Luang und den fotogenen Arc Triomphe zu besuchen. Fünfzig Minuten dauert der Flug von der provinziellen Stille der laotischen Hauptstadt ins quirlige Bangkok, und es ist noch immer ein Flug in eine andere Welt!

Detlef Berg

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