Thomas Cook Pleite:

Der Reiseveranstalter Thomas Cook ist pleite. Was das nun auch für deutsche Urlauber bedeutet, steht hier. Foto: Thomas Cook

Drama in Ferienhotels!

Was passiert mit deutschen Urlaubern? Eine der bekanntesten Reisekonzerne der Welt hat letzte Woche Insolvenz angemeldet; auch "Thomas Cook Deutschland" ist seit 25. September 2019 pleite. Alle Flüge wurden gestrichen, Zahlungen werden von Hotels erzwungen. Viele Touristen sind auch in Thailand gestrandet! Wir fassen die wichtigsten Fakten zusammen...


28. September 2019
Etwa 600.000 Urlauber sind aktuell mit Thomas Cook unterwegs, rund 140.000 mit den deutschen Unternehmensmarken. Dazu gehören:

Thomas Cook GmbH
Thomas Cook Touristik GmbH
Neckermann Reisen
Bucher Reisen
Öger Tours GmbH
Air Marin und Condor

Horror für Gäste im Urlaub



Weil Thomas Cook schon seit Monaten viele Hotels nicht bezahlt hat, halten Hoteliers Touristen (zum Teil gewaltsam) in ihren Häusern fest und zwingen sie zur Zahlung der Hotelrechnungen - auch wenn diese bereits von den Reisenden lange vor Reiseantritt an Thomas Cook bezahlt wurden.

Beispiel: Wie Bild.de berichtete, hätten Mitarbeiter des Luxushotels Royal Alhambra Palace in der Türkei ihre Gäste regelrecht "gefangen gehalten und sie bedroht". Erst nachdem das deutsche Konsulat eingeschaltet wurde, konnten die Gäste auschecken. Unterdessen gingen Berichte von unzähligen Hotelgästen bei anderen deutschsprachigen Medien ein, die nach eigenen Angaben gezwungen worden waren, ihre Unterkünfte vor Ort selbst zu bezahlen. Einige mussten demnach mehr als 1000 - 2500 Euro auf den Tisch legen - auch in Thailand.

So hatte ein deutsches Paar von einem Drama in einem Hotel in Khao Lak berichtet. Kevin H. (29) und Chiara L. (23) mussten auf den  längst überwiesenen Pauschalpreis von 3450 Euro nochmals 1600 Euro drauflegen. Fazit: 5050 Euro für zehn Tage Strand (!!). Das Hotel, in diesem Fall "The Haven" in Khao Lak, bestätigt, dass es bei Thomas-Cook-Kunden auf der Zahlung direkt vor Ort besteht. Front-Office-Manager James Nuimang sagte: "Wir haben von Thomas Cook zum letzten Mal im Juni Geld bekommen. Im Juli nichts und im August nichts. Weil die Firma pleite ist, müssen wir uns direkt an die Gäste wenden." Richtlinie für den Fall, dass sich jemand weigert: "Wir werden die Gäste nicht auschecken lassen. Wir werden die Polizei rufen."

Das große Problem:



Während Fluggesellschaften von Reiseveranstaltern meist Vorkasse verlangen, werden Hotels in der Regel in größeren Abständen nach Erbringung der Leistung bezahlt. Deshalb verlangen manche Hoteliers von Thomas-Cook-Gästen jetzt Geld, um nicht leer auszugehen!

Wie vielen deutschen Urlaubern es in Thailand ähnlich geht, weiß niemand genau. Anfang der Woche hieß es von Seiten des Unternehmens, es befänden sich 783 deutsche Thomas-Cook-Kunden im Land. Auch Hotels auf Bali und Mallorca bitten Thomas-Cook-Urlauber zur Kasse. Der Deutsche Reiseverband (DRV) und der Bundesverband der Verbraucherzentralen hatten diese Vorgehensweisen bereits scharf kritisiert.

Angeblich ist nun die Zurich-Versicherung eingesprungen und hat alle Hotels im Ausland, die derzeit Thomas-Cook-Urlauber beherbergen, informiert, dass sie ihr Geld bekommen. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Urlauber nicht mehr zu Extra-Zahlungen aufgefordert werden. Für viele Reisende stellen die Forderungen der Hotels ein Problem dar, denn durch die erzwungenen Zahlungen stehen viele ohne Bargeld da. Nicht jeder verfügt zudem über eine Kreditkarte.

Das Auswärtige Amt rät:


Betroffene Kunden sollen sich an die Insolvenzversicherung von Thomas Cook wenden. Die zuständige Zurich Versicherung hat in Deutschland den Dienstleister Karea (Web: http://www.kaera-ag.de/) mit der Abwicklung der Versicherungsfälle beauftragt. Er kümmert sich um die Unterkunft vor Ort und die Organisation der Rückreise. Dieses Recht haben aber nur Reisende, die einen Pauschalurlaub gebucht haben. Reisende, die bei Thomas Cook nur den Flug oder nur die Unterkunft gekauft haben, sind vom Insolvenzrecht ausgeschlossen.

"Dem DRV wurde bestätigt, dass die Zurich Versicherung die Kosten für zwischen Thomas Cook Deutschland und Leistungserbringern wie zum Beispiel Hotels und Fluggesellschaften vereinbarten Leistungen übernimmt", heißt es vom Deutschen Reiseverband. Hotels in den Urlaubsgebieten hätten daher keinen Grund, Urlauber aus Angst vor Zahlungsschwierigkeiten des Reiseveranstalters zur Kasse zu bitten.
Der Insolvenzversicherer sei zudem verpflichtet, die Reisenden zurückzubringen".

Verbraucherschutz und Reiseveband: Nicht zahlen!


Der Reiseverband rät also, definitiv nicht in den Hotels vor Ort zu zahlen und auf den Rückversicherer zu verweisen. Man kann nur hoffen, dass dies in der Realität auch tatsächlich machbar und von den Hotels umgesetzt wird. Unterdessen kritisierte auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) das Vorgehen mancher Hoteliers. "Das Ausnutzen einer Zwangslage, um den eigenen Schaden zu kompensieren, ist nach deutschem Recht strafbar", sagt vzbv-Tourismusexperte Felix Methmann.

Unterdessen bangen viele "gestrandeten" Urlauber vor Ort um ihren Rückflug. Auch Condor-Flüge wurden gestrichen - die Firma strauchelt bedenklich. Allerdings, so hört man, hat das Unternehmen eine Perspektive. Nach der Pleite seines Mutterkonzerns Thomas Cook soll der deutsche Ferienflieger  mit Finanzhilfe vom Staat gerettet werden. Das Unternehmen erhalte von der staatlichen Förderbank KfW einen Massekredit in Höhe von 380 Millionen Euro, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier am Dienstagabend in Berlin.

Bis Oktober 2019 geht nichts mehr


Laut einer offiziellen Mitteilung von Thomas Cook können Pauschalreisen sowie Flug- und Hotelbuchungen mit Reiseantrittsdatum bis einschließlich 31.10.2019 aus insolvenzrechtlichen Gründen nicht mehr gewährleistet werden. Für spätere Reisetermine stehe jegliche Entscheidung noch aus.

Mit anderen Worten: vergessen Sie Ihre Ferien - zumindest mit Thomas Cook und den oben genannten Veranstaltern! (NG)

Wie gefällt dir dieser Beitrag?

Keine Bewertung

Deine Meinung ist uns wichtig! Bewertung abgeben


Weitere interessante Artikel