Wirtschaftsnews:

Thailands Importe erzielten 2010 Rekordzuwachs

Von Alexander Hirschle, Germany Trade & Invest.


Der thailändische Außenhandel hat sich 2010 von der Krise des Vorjahres erholt. Im- und Exportwerte zeigten deutlich nach oben. Die Einfuhren erreichten mit einem Plus von 36,5% den höchsten Zuwachs seit Anfang der 1990er-Jahre.
Insgesamt bezog Thailand Waren im Wert von 182,4 Mrd. US$ aus dem Ausland. Aber auch die Ausfuhren konnten deutlich um 28,1% auf 195,3 Mrd. $ zulegen. Im laufenden Jahr 2011 dürfte sich der Aufwärtstrend in abgeschwächter Form fortsetzen.

Deutsche Waren behaupten Marktanteil


Die Importe aus Deutschland sind 2010 fast im Gleichschritt mit der Gesamteinfuhr nach Thailand um 34,9% gestiegen. Dies ist vor allem deshalb beachtlich, weil die Lieferungen "Made in Germany" damit ihren Marktanteil gegenüber der asiatischen Konkurrenz halten konnten.
Zum 1. Januar 2010 war die Wirtschaftszone ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) mit drastischen Zollreduzierungen in eine neue Phase der Integration eingetreten, gleichzeitig wurde ein Freihandelsabkommen mit der VR China geschlossen.

Aufwärtstrend schwächt sich ab


Durch die günstigeren Lieferkonditionen innerhalb der Region erwarteten zahlreiche Experten, dass deutsche Produkte nur schwer ihre Position würden behaupten können. Zumal Deutschland im vergangenen Jahrzehnt bereits Anteilsverluste an den Gesamtimporten in einer Größenordnung von rund einem Fünftel hinnehmen musste. Doch zumindest kurzfristig sind diese Befürchtungen nicht eingetreten.
Angesichts der weiteren geplanten Integrationsschritte bis 2015 kann darüber allerdings noch kein abschließendes Urteil gefällt werden.

Die wichtigsten Lieferposten Deutschlands waren 2010 gemäß der thailändischen Zollstatistik Maschinen und Teile mit einem Gesamtwert von rund 1,1 Mrd. US$ beziehungsweise einem Anteil von knapp 24% an den Importen "Made in Germany". An zweiter Stelle rangierten Chemikalien mit 15%, gefolgt von elektrischen Geräten und Teilen (8%) sowie integrierten Schaltkreisen (6%). Die Plätze fünf, sechs und sieben entfielen auf wissenschaftliche, medizinische und Laborgeräte (5%), Kfz-Teile (4%) sowie pharmazeutische Produkte (4%). Die höchsten Einfuhrzuwächse konnten Fahrzeuge mit einem üppigen Plus von 153% erzielen. Beachtliche Steigerungsraten bei den Lieferungen nach Thailand entfielen auch auf die Sparten Schmuck, Schaltkreise und elektrische Geräte. Die thailändischen Importe aus Deutschland beliefen sich 2010 insgesamt auf einen Wert von umgerechnet rund 4,6 Mrd. $, gleichbedeutend mit einem Einfuhranteil von 2,5%. Deutsche Lieferungen erreichten damit den 13. Rang im Import-Ranking des Königreichs und verloren einen Platz an die Schweiz, deren Lieferungen nach Thailand um 107% in die Höhe geschossen waren. Letzteres entsprach gleichzeitig dem höchsten Zuwachs unter den 20 wichtigsten Lieferländern. Ebenfalls beeindruckende Steigerungsraten verzeichneten die Einfuhren aus Russland sowie aus Australien, Japan, Indonesien, Korea (Rep.), VR China, Taiwan und Saudi-Arabien. Die bedeutendsten Lieferländer Thailands waren 2010 Japan, die VR China, Malaysia und die USA, auf die allein rund 45% der thailändischen Importe entfielen. Als größter Einfuhrposition kristallisierte sich 2010 das Segment Treibstoffe heraus, gefolgt von Maschinen und teilen, Chemikalien, elektrischen Maschinen und Teilen sowie Eisen und Stahl. Die höchsten Importzuwächse verbuchten Schmuck und Edelsteine, Kfz-Teile sowie Eisen und Stahl. Größte Exportposition Thailands war 2010 die Sparte Datenverarbeitungsmaschinen und Teile mit 18,8 Mrd. US$, knapp 10% der Ausfuhren. Auf den Plätzen folgten Kfz und Teile mit 17,7 Mrd. $ (9%), Schmuck und Edelsteine (11,7 Mrd.; 6%), integrierte Schaltkreise (8,1 Mrd.; 4%) und Gummi (7,9 Mrd.; 4%). Besonders hohe Zuwächse erzielten 2010 die Exporte von Gummi (+83%), Kfz und Teilen (+59%) sowie Maschinen und Teilen mit einem Plus von 47%. Schwach entwickelten sich hingegen die Ausfuhren von Reis mit einem mageren Zuwachs um 6% sowie von Eisen und Stahl, die sogar um 6% zurückgingen. Wichtigste Destination thailändischer Erzeugnisse war 2010 die VR China mit 21,5 Mrd. US$, vor Japan mit 20,4 Mrd. und den USA mit 20,2 Mrd. $. Deutschland belegte im Ausfuhrranking den 16. Platz mit Lieferungen im Wert von 3,3 Mrd. $. Am stärksten gefragt waren dabei Datenverarbeitungsmaschinen mit einem Anteil von 15%, gefolgt von Schmuck und Edelsteinen (7%), Gummierzeugnissen sowie Maschinen und Teilen (jeweils 6%) und Bekleidung (4%). Nach den deutlichen Zuwächsen 2010 rechnen Außenhandelsexperten für 2011 mit einem Plus der Ausfuhren in einer Größenordnung zwischen 7 und 12%. Die offiziellen Schätzungen des Finanzministeriums gehen sogar von einem Plus von mehr als 13% aus. Auch die Importe dürften bei einem prognostizierten BIP-Wachstum zwischen 3 und 5% zweistellig zulegen. Die Regierung prognostiziert einen Anstieg der Einfuhren von 14,6%. In diesem Zusammenhang wird die weitere Entwicklung der Landeswährung Baht eine entscheidende Rolle spielen, die 2010 eine deutliche Aufwertung gegenüber dem US-Dollar und dem Euro erfuhr. Für 2011 gehen Finanzmarktexperten von einer anhaltend hohen Volatilität des Baht aus. Bei einer weiteren Aufwertung würden sich die Chancen für ausländische Lieferanten in Thailand zusätzlich erhöhen. Unabhängig davon sollten sich aus deutscher Sicht vor allem Werkzeugmaschinen und Kfz-Teile aufgrund des weiterhin boomenden Automobilsektors sowie Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen einer hohen Nachfrage erfreuen. Angesichts der geplanten Investitionen im Infrastrukturbereich könnten auch Baumaschinen sowie Ausrüstungen für den Energiesektor mit guten Geschäftschancen rechnen.


GERMANY TRADE AND INVEST (GTAI) GTAI ist die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing. Die Gesellschaft vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland im Ausland, informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte und begleitet ausländische Unternehmen bei der Ansiedlung in Deutschland. www.gtai.de

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