Deutschland rettet Ayutthaya:

"Steindoktor" restauriert Antik-Tempel Ratchaburana!

Thaizeit gratuliert! Nach 5 Jahren intensiver Restauration im historischen Park von Ayutthaya wurde die Rettungsaktion "German Wat Ratchaburana Safeguarding Projekt" unter der Projektleitung des renommierten Geologen Prof. Dr. Hans Leisen Ende März mit Erfolg abgeschlossen.

Es ist Dienstag, der 28. März 2017. Zufrieden blickt der als "Steindoktor" bekannt gewordene Professor von der Fachhochschule Köln auf sein vollendetes Werk am Rande des Zentrums der Altstadt von Ayutthaya, rund 90 Autominuten von Bangkok entfernt. Er ist umgeben von seinem Spezialisten-Team aus Deutschland, zahlreichen thailändischen Handwerkern und seiner Ehefrau und professionellen Partnerin Esther von Plehwe-Leisen, gebürtige Freiburgerin und ebenfalls ausgebildete Geologin.  

Alle strahlen, denn "es ist vollbracht". Die wichtigsten Elemente des "Wat Ratchaburana" (übersetzt "Königliche Erfüllung"), der im Jahre 1424 auf Veranlassung des Königs Borommaracha II. errichtet wurde, sind Dank der mehrjährigen Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten eines deutsch-thailändischen Teams vor dem Verfall gerettet worden.

Nicht nur der Zahn der Zeit hatte an den herrlichen Stuckdekorationen, Buddha-Statuen und antiken Wand-Reliefs und -Malereien genagt, vielmehr war es die verheerende Jahrhundert-Flut Ende des Jahres 2011, die am Mauerwerke den größten Schaden angerichtet hatte. Mehrere Wochen stand das Wasser über 1 Meter hoch. 

Langsam aber sicher verfiel der untere Teil der Tempelanlage, Stuckelemente bröckelten ab - es war nur eine Frage der Zeit, bis der Wat Ratchaburana sowie andere Ruinen nicht mehr von kulturhungrigen Thailand-Besuchern begehbar sein würden. Als Retter in der Not wandte sich die für den Kulturerhalt zuständige Abteilung des Auswärtigen Amtes an Prof. Dr. Hans Leisen in Köln.

Der Spezialist für historische Bauten ist bis heute an anderen Stätten des UNESCO-Weltkulturerbes mit Erfolg tätig, vornehmlich in Angkor Wat (Kambodscha) sowie in Java (Indonesien), wo der über 1000-jährige Tempel Borobudur durch einen Vulkanausbruch im Jahre 2011 schwer beschädigt wurde.

Der damalige Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle (Foto rechts mit Prof. Hans Leisen) war es, der sich bei einem Rundgang in Ayutthaya höchstpersönlich von den Hochwasser-Schäden im Geschichtspark überzeugte. Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der deutsch-thailändischen diplomatischen Beziehungen war er ins thailändischen Königreich gereist und verprach umgehend: "Deutschland wird Thailand helfen und das Auswärtige Amt wird die Arbeiten an einer der beschädigten Tempelanlagen finanziell unterstützen!"   

Gesagt, getan. Nach mehreren Gespräche zwischen dem "Department of Fine Arts", dem "Ayutthaya Historical Park Office" und der Deutschen Botschaft in Thailand wurde der Wat Ratchaburana im Jahre 2012  als „Konservierungsobjekt“ ausgewählt, um die feinen Stuck- und Putzdekorationen im Eingangsbereich und an der Südostseite des Prangs zu restaurieren. 

Deutscher Botschafter Peter Prügel: 
"Nachhaltigkeit hat größte Wichtigkeit"

Als Besonderheit ist zu erwähnen, dass das Ehepaar Leisen und ihr deutsches Team während der 5-jährigen Projekt-Laufzeit höchste Priorität auf die Ausbildung der thailändischen Handwerker legte, damit diese zukünftige Arbeiten an anderen "Wats" selbständig ausführen können. 

Thaizeit ist über diese Nachhaltigkeitsstrategie unter dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" begeistert und findet: das verdient höchsten Respekt und Anerkennung.

Denn immer wieder muß Zentralthailand während der Monsunzeit mit möglichen weiteren Hochwasser-Katastrophen rechnen. Besonders die alten Königsstädte von Siam, deren Tempelmystik unbedingt über die nächsten Generationen erhalten werden soll, sind häufig von schweren Regenfällen bedroht. So standen auch im Jahre 2016 sowohl Ayutthaya als auch Sukhothai wieder unter Wasser.


Offiziell: Projekt abgeschlossen

Doch nun sind die Restaurierungsarbeiten am Wat Ratchaburana endgültig abgeschlossen. In einer würdevollen Zeremonie überreichten Peter Prügel, der deutsche Botschafter in Thailand, sowie das Ehepaar Leisen Urkunden an alle deutschen und thailändischen Mitarbeiter, die in mühsamer Handarbeit und mit Engelsgeduld dafür gesorgt hatten, den Verfall des Tempels zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern. 

Es galt zunächst, entsprechend haltbares Material im Lande zu identifizieren, was laut Professor Leisen "eine echte Herausforderung war". Schließlich wurden spezielle kalkhaltige Injektionen in das von Rissen durchzogene kaputte Gemäuer gespritzt, um eine Notsicherung des Ziegelmauerwerks zu erzielen - siehe Bildergalerie. Desweiteren wurden Wände vom Pilzbefall gesäubert und geschwärzte Buddhafiguren gereinigt, die jetzt wieder schneeweiß hoch oben im Turm des Zentralprangs thronen, als wäre nie etwas Schlimmes geschehen. 

Deshalb, liebe Thaizeit-Leser: achten sie genau hierauf, wenn Sie den Wat Ratachaburana in Ayutthaya besuchen. Jetzt wissen Sie Bescheid! 

Was unterdessen an neuem Wissen in Thailand zurück bleibt sind Recherche- und Analyse-Techniken sowie ein fundiertes Konservierungskonzept für eine weiterführende, fachgerechte Restaurierung von anderen wichtigen Tempelanlagen in Thailand. Ermöglicht durch die finanziellen Mittel des Auswärtigen Amtes, aber vor allem auch Dank der unermüdlichen Workshops der freiwilligen Restaurierungs-Spezialisten aus Deutschland! 

Von: Nathalie Gütermann; Fotos: Prof. Hans Leisen / Deutsche Botschaft in Thailand

Info

Ayutthaya diente mehr als 400 Jahre lang als Hauptstadt des siamesischen Königreichs. Mit seinen zahllosen historischen Palästen und Tempelanlagen von unschätzbarem Wert zählt der Ort seit 1991 zum Weltkulturerbe der UNESCO. 

Die Erhaltung der bedeutenden Tempelanlage Wat Ratchaburana war Ziel eines 2012 begonnenen Kulturerhaltprojekts des Auswärtigen Amts in Thailand ("Wat Ratchaburana Safeguarding Projekt"/GRASP) und wurde am 28. März 2017 durch den deutschen Botschafter Peter Prügel offiziell für beendet erklärt. 

Die Maßnahme wurde fünf Jahre lang mit insgesamt rund 520.000 Euro aus dem Kulturerhaltprogramm des Auswärtigen Amts gefördert. 

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